Allgemein, Texte

Lieber mal offline.

Wir müssen ständig etwas Werden. Groß. Klug. Erfolgreich. Fühlen uns getrieben, von Gleichaltrigen, die scheinbar schon viel mehr erreicht haben. Das können wir nicht mehr aufholen. Wollen wir das überhaupt? Wann fragen wir uns, was wir wollen? Zwischen Facebook-Check und der nächsten Whatsapp-Nachricht? Mir scheint, die Zeit für Reflexion ist rar geworden. Unsere schnelllebige Zeit.

Und warum machen wir immer „irgendeinen Scheiß im Internet“, anstatt das zu machen, was wir eigentlich machen wollen. Ich sitze an diesem Text, und zack schaue ich nach meinen E-Mails, zu Facebook, stelle einen neuen Song bei Spotify an, … Schluss! Zurück zum Text. Da vibriert das Handy – WhatsApp Nachricht. Kurz antworten. Jetzt aber weiterschreiben.

Wir nehmen heute jeden Tag so viel Informationen, Bilder und Töne in uns auf, vor allem im Internet. Ständiges Scrollen und kurzes Anlesen, Weiterklicken, Zwischenlesen und Weiterklicken. Oft dröhnt mir der Kopf am Abend von den Halb-Nachrichten und Halb-Emotionen, die ich durch das ständige Hin- und Herklicken auch nur halb verarbeitet habe.

Gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass mir die Zeit fehlt, über wichtige Themen nachzudenken. Bin ich zufrieden? Was würde ich gern ändern? Wofür möchte ich mir mehr Zeit nehmen? Es ist leicht, tiefer gehende Gedanken beiseite zu schieben, wenn das nächste YouTube-Video wartet. Permanente Ablenkungsmöglichkeiten sorgen für einen seichten Übergang von Lebensfragen zum Beantworten von E-Mails.

Also geht es in den nächsten Tag, ohne mir im Klaren zu sein, ob das, was meine Tage bestimmt, auch so ist, wie ich es mir vorgestellt habe. Lebe ich, um zu arbeiten oder arbeite ich, um zu leben? Wo sehe ich mich in fünf, in zehn, in zwanzig Jahren? Beantworten kann ich solche Fragen wahrscheinlich auch nach stundenlangem Nachdenken nicht, aber das muss ich auch nicht. Sie regen die Fantasie an und können somit helfen, Grundsteine für die Umsetzung unserer inneren Wünsche zu legen.

Es ist nicht schwer, den Laptop mal links liegen zu lassen und den Blick in die Welt, wie sie offline ist, zu richten. Den Spätsommer unter den Zehen und auf der Haut spüren. Die Wangen vom ersten Herbstwind streifen lassen. Und Sein. Ohne den Druck, auch Etwas sein zu müssen. Zeit für sich zu haben. Und dabei merken, wie viel mehr man innerlich wachsen kann, wenn man auch die Gedanken wachsen lässt. Zeit kann man sich auch online nehmen. Aber dort wartet viel Ablenkungspotential, dass es schwer fällt, weitschweifige Gedankengänge zu entwickeln.

Ich möchte nicht in die vordigitale Zeit zurück. Ich möchte mir aber in Zukunft mehr Offline-Zeit gönnen. Was vor zwanzig Jahren albern geklungen hätte, muss man heute schon bewusst umsetzen.

Ein Gedanke zu „Lieber mal offline.“

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