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Rezension „Astrid Lindgren. Ein Lebensbild“ von Margareta Strömstedt

Biografien mag ich ja. Und am liebsten von Frauen, die ihren eigenen Weg gehen, ohne auf Konventionen zu achten. Den Anfang in der Vorstellung dieses Genres macht eine kürzlich gelesene Biografie über die Frau, die uns mit Pippi, Michel und Co. die Kindheit verschönert hat.

Als ich diese Biografie im Buchladen gesehen habe, war die verschmitzt lächelnde Astrid Lindgren eine schöne Leseeinladung für mich. Kurz nach dem Kauf wurde ich krank und habe das Buch dann an einem Tag gelesen. Es hat geschafft mich trotz Halsweh und Schnupfen zu fesseln. Ich finde, dass ist ein gutes Kriterium für eine Weiterempfehlung. Die Autorin Margareta Strömstedt hat die Lebensgeschichte von Astrid Lindgren wie eine Erzählung verfasst und durch Grafiken, Fotos und viele Zitate aufgelockert.

Der Leser bekommt einen vielschichtigen Eindruck von dieser Frau, die viele nur als Autorin ihrer Kinderbuchhelden kennen. Strömstedt veröffentlichte diese Biografie erstmalig im Jahr 1977. Sie reiste im Zuge ihrer Recherchen unter anderem nach Näs, den Geburtsort von Astrid Lindgren und sprach mit Freunden, Verwandten und auch mit Astrid Lindgren selbst. Im Jahr 1999 erschien dann eine überarbeitete Auflage ihres Buches. In der Zwischenzeit war viel passiert – so war eines der bemerkenswertesten Kinderbücher – und nebenbei gesagt mein Lindgren-Lieblingsbuch – erschienen: Ronja Räubertochter. Außerdem hatte Lindgren auch Karriere als Meinungsmacherin gemacht. Besonderes Engagement zeigte sie bei den Themen Kinderrechte und Tierschutz.

Doch von vorn: Wenn Astrid Lindgren von ihrer Kindheit erzählt, so beschreibt es Strömstedt, dann in bunten und schillernden Farben. Es sei, als habe sie sich immer einen Zugang zu dieser vergangenen Welt erhalten, aus dem sie ihr Leben lang schöpfte. Sie beschreibt ihre Kindheit als ausgesprochen glücklich und liebevoll. Vielleicht kann man sie sich wie eines der herumtollenden Bullerbü-Kinder vorstellen. Zwar gab es auch viel in Haus und Hof zu helfen, doch Astrid und ihre Geschwister wuchsen dennoch in großer Freiheit auf und spürten stets den Rückhalt des Elternhauses. Aber in Astrid Lindgrens Büchern geht es nicht nur heiter zu. Wer an Bücher wie „Die Brüder Löwenherz“ oder „Mio, mein Mio“ denkt, der spürt, dass auch diese Autorin die dunklen Seiten des Lebens kennengelernt hat.

So wurde sie im Jahr 1926, mit 17 Jahren, schwanger, aber ihr Sohn Lasse lebte zunächst drei Jahre bei Pflegeeltern in Kopenhagen. Die genauen Umstände dazu kann man im Buch nachlesen, für Astrid Lindgren war es defintiv eine schwere Zeit. Sie lebte damals in Stockholm und verdiente kaum genug, um satt zu werden.  Außerdem fühlte sie sich einsam und verlassen.

Es ist auffällig, dass es in ihren Büchern meist Jungen sind, die schwere Schicksale zu ertragen haben oder mit Einsamkeit und Ängsten zu kämpfen haben. Darin wird die Einfühlung Lindgrens in die ersten Lebensjahre ihres Sohnes gesehen, die sie damit zu verarbeiten versucht. 1930 holte sie Lasse zu sich nach Stockholm. Nach einer kurzen Zeit, die er in Lindgrens Elternhaus in Näs verbrachte, lebte er dann dauerhaft bei ihr und ihrem inzwischen Ehemann Sture Lindgren. Sie war nun als Schriftstellerin und Lektorin tätig. Bis zu ihrem großen Durchbruch als Schriftstellerin sollten aber noch etwa 15 Jahre vergehen.

Und mehr möchte ich auch gar nicht ins Detail gehen, denn wer die Biografie gern lesen möchte, soll selbst die Stationen in Astrid Lindgrens Leben kennenlernen und sich so Stück für Stück ihrer Geschichte annähern.

Fazit: Sehr empfehlenswerte Biografie! Lebendig und einfühlsam geschrieben, sowohl zum Lachen als auch zum Weinen. Strömstedt zeichnet ein  Bild dieser Frau, die so viele von uns in ihrer Kindheit geprägt hat. Sie sieht in Lindgren aber nicht nur die Kinderbuchautorin, sondern eine moderne Frau, die sich in ihrer Zeit immer wieder behaupten musste.

Zum Abschluss noch ein Zitat von Astrid Lindgren über Bücher, das mir besonders gut gefallen hat:

„Denn wenn wir uns einmal daran gewöhnt haben, unsere Freude und unseren Trost aus Büchern zu holen, können wir sie nicht mehr entbehren. Es wäre schrecklich, wenn der unsterbliche Bücherschatz der Menschheit nur in Kassetten, Fernsehgeräten und anderen Medien exisitierte!

Ich möchte die Welt nicht von einer außen stehenden Stimme vermittelt bekommen, die sich zwischen mich und den Autor drängt. In Einsamkeit geschriebene Wörter will ich in Einsamkeit genießen und in dem Takt, der mir entspricht.“

Übersetzt von Birgitta Kicherer | Oetinger Tb | 384 S. | ISBN: 9783841501462

 

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