Sonstiges

Rezension Wochenkalender „Literarische Ostsee 2018“ von Ute Fritsch

Am Meer bin ich gern. Und die Ostsee mag ich besonders. Da halte ich es mit Hildegard Knef, die im „Ostseelied“ ihre Liebe zu diesem rauen Meer besingt. Um meiner Meersehnsucht literarisch zu frönen, wird mich der Wochenkalender „Literarische Ostsee 2018“ durchs kommende Jahr begleiten.

Im Kalender tauchen zum Beispiel Tove Jansson, Joachim Ringelnatz, Anna Freud,  Theodor Fontane und Brigitte Reimann auf. An Bildmotiven findet man nostalgische Postkartenmotive, Gemälde (z.B. Caspar David Friedrich) oder Fotos der Ostseelandschaft. Als wöchentliche literarische Häppchen werden persönliche Anekdoten, Zitate aus Werken, Tagebüchern und Briefen oder Gedichte geboten, alles mit Ostsee-Bezug natürlich.

Der Kalender ist wirklich schön gestaltet und die einzelnen Beiträge sorgfältig zusammengetragen. Hier möchte ich nur zwei Kostproben von der Vielfalt der  Kalenderblätter geben. Zum einen das Gedicht „Hiddensee“ von dem pommerschen Dichter Karl Lappe (1773-1843). Es zeigt, dass es die Meer-Sehnsucht auch schon im 19. Jahrhundert gab und beschreibt mit poetischen Worten die Anziehungskraft des Insellebens.

Hiddensee

Welch geheimer Zauber waltet
Um das kalte, kahle Land,
Dass sich Heimweh hier entfaltet,
In dem dürren Dünensand?
Wo verbirgst du, tief versteckt,
den Magnet, der Sehnsucht weckt?
Sprich, süßes Ländchen!

O, es ist die Lebensstille,
Fromme Weltentzogenheit!
Strandgeflügels Lustgeschrille,
Ausblick in Unendlichkeit,
Reingeklärte Inselluft,
Wellensingen, Meeresduft!
Du süßes Ländchen!

Zum anderen möchte ich ein Zitat des Berliner Journalisten und Reiseschriftstellers Victor Auburtin anfügen. Er äußerte sich im Jahr 1911 in einem Kommentar sehr bissig über die Berliner, „deren Wochenend-Badewanne die vom Stettiner Bahnhof aus leicht erreichbare Usedom-Halbinsel war“. Auburtin beschrieb den Einzug von Eitelkeiten und Stadtallüren, die das Meererleben in den Hintergrund treten lassen.

„Dieses Ostseebad Heringsdorf wird Berlin immer ähnlicher… es hat jetzt schon ein richtiges Nachtleben…es ist totschick … . In keinem Badeort der Welt wird die See mit solcher Geringschätzung behandelt wie hier… Man badet wohl, aber man badet nicht in der See, sondern vielmehr im Familienbad, wo man das Monokel und die falschen Haare anbehalt.“

Wochenkalender Literarische Ostsee 2018ebersbach & simon | ISBN: 978-3-86915-145-8

Vielen Dank an den Verlag ebersbach & simon für das Rezensionsexemplar.

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