Biografie, Sachbuch

Rezension „Luther. Der Zorn Gottes“ von Heimo Schwilk

Luther von Heimo SchwilkIch muss zugeben, dass ich von den Feierlichkeiten zum 500-jährigen Reformationsjubiläum im letzten Jahr nicht allzu viel mitgenommen habe. Ich habe mich erst zu Beginn dieses Jahres eingehender mit Luther beschäftigt, angeregt durch die Lektüre der Biografie von Heimo Schwilk.

Das war ein intensives Leseerlebnis. Die rund 450 Seiten sind so dicht gepackt mit Erlebnissen und Hintergründen, dass ich für das Lesen etwas länger als üblich gebraucht habe. Meine Intention war es, den Menschen hinter der „Kultfigur“ Luther kennenzulernen sowie ihn besser in seiner Zeit verorten zu können, denn wie alle Menschen war auch er geprägt vom Entwicklungs- und Kenntnisstand seiner Zeit sowie dem vorherrschenden Zeitgeist.

Vom Studenten zum Mönch

Am zugänglichsten war mir die Person Luthers in den ersten Kapiteln des Buches, in denen es um seine Jugend- und Studienzeit geht. Da dieser Lebensabschnitt mir noch sehr nahe ist, konnte ich mich hier auch am besten in Luther hineinversetzen. Wie die meisten jungen Menschen war er von Selbstzweifeln geplagt und nicht einverstanden mit dem Lebensweg, den seine Eltern für ihn ausgewählt hatten: Jurist sollte er werden. Dazu begann er in Erfurt zunächst, wie damals üblich, ein Studium der freien Künste, wozu Rhetorik und Grammatik zählten. Eine Spezialisierung erfolgte erst später. In der ersten Studienzeit war Luther ein geselliger junger Mann, der gern mit seinen Kommilitonen im Wirtshaus einkehrte.

Er wendete sich in Erfurt dann verstärkt der Theologie zu. Um seinem Vater gegenüber radikal deutlich zu machen, dass er sich für diesen Lebensweg entschieden hat, trat er in ein Augustiner-Kloster ein. Dieser Mönchsorden hatte die strengsten Regeln von allen und Luthers Lebens änderte sich daraufhin schlagartig. Die Studienfreunde durfte er nun nicht mehr sehen, er hatte sich zudem in allen Lebenslagen den strengen Regeln des Klosterlebens unterzuordnen.

Prägender Zeitgeist

Nun fiel es mir beim Lesen zunehmend schwerer, Luthers Handeln auch für mich nachvollziehen zu können. Er entsagt seinem früheren Leben vollständig und richtet sein Leben auf die Hinwendung zu Gott ein. An dieser Stelle hat es mir geholfen, dass Heimo Schwilk auch viele Hintergrundinformationen zur damaligen Zeit in die Biografie eingebaut hat. So war die Angst der damaligen Menschen vor Gottes Strafen und dem Fegefeuer sehr groß. Nicht ohne Grund blühte der Ablasshandel, mit dem sich die Menschen von ihren Sünden freikaufen sollten. Auch Luther war erfüllt von diesen Ängsten. Er hatte ein sehr starkes inneres Bild von seiner eigenen Schuldhaftigkeit, die ihn regelrecht zwanghaft in seinen Handlungen werden ließ, um sich davon zu befreien. Im Buch kann man nun nachlesen, wie er aus dieser inneren Zerrissenheit einen Ausweg fand und wie er dadurch die Reformation beflügelte.

Nicht vergessen darf man dabei, dass Luther nicht der einzige war, der die katholische Kirche reformiert hat, wohl aber der prominenteste und nachhaltigste. Eine große Rolle bei der Verbreitung von Luthers Reformationsgedanken spielte übrigens der Buchdruck. Er ermöglichte die rasche Verteilung von Druckerzeugnisse. So fanden Luthers Schriften in kurzer Zeit ein großes Publikum und viele Unterstützer.

Im Laufe des Lesens habe ich oft gestaunt über die Beharrlichkeit und den Mut Luthers, das Außergewöhnliche seiner Persönlichkeit wird im Buch sehr deutlich. An einigen Stellen habe ich aber auch gestutzt, etwa bei seiner konsequenten Leugnung des freien Willens. In dieser Debatte, die er unter anderem mit Erasmus von Rotterdam führte, verwies Luther immer wieder auf die Gottgelenktheit allen Seins.

Fazit

Ein wirklich lesenswertes Buch für alle, die den Menschen Martin Luther sowie seine Zeit besser kennenlernen wollen. Schwilk hat ein sehr detailliertes und aspektereiches Werk geliefert. Es ist definitiv kein Buch, das sich schnell wegliest. Das ist dem Umstand geschuldet, dass Schwilk oft weit ausholen muss, um Ereignisse zu schildern. Ich fand das sehr gut, denn ich wollte beim Lesen des Buches nicht nur Martin Luther, sondern auch seine Zeit besser kennenlernen.

Nicht abschrecken lassen sollte man sich übrigens von einigen theologischen Ausführungen und Schilderungen von religiösen Debatten. Da mein Vorwissen in diesen Bereichen gering ist, ging das Lesen an diesen Stellen etwas holprig vonstatten. Aber so konnte ich auch auf dem Gebiet der Theologie etwas dazulernen. Und es war hilfreich diese Informationen zu bekommen, um das Wesen und Handeln Luthers besser in seiner Zeit verorten zu können.

Blessing Verlag | 464 S. | ISBN: 978-3-89667-522-4

Vielen Dank an die Verlagsgruppe Random House für das Rezensionsexemplar.

 

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