Belletristik

Rezensionen „Die kleine Bäckerei am Strandweg“ & „Die kleine Sommerküche am Meer“ von Jenny Colgan

 

Gerade im Sommer freue ich mich auf Bücher, die als klassische Urlaubs- und Strandbücher durchgehen. Im besten Fall machen schon Buchcover und Titel Lust aufs Eintauchen in eine gewisse Inga-Lindström-Atmosphäre. Ja, hiermit oute ich mich als gelegentliche Zuschauerin dieser kitschigen ZDF-Filme am Sonntagabend.

Doch nun zu den beiden hier zu rezensierenden Büchern – es sind übrigens zwei, weil sie sich recht ähneln und ich sie daher gern in einer Rezension vorstellen möchte. Zum einen das Buch „Die kleine Bäckerei am Strandweg“ aus dem Jahr 2016 und zum anderen „Die kleine Sommerküche am Meer“, druckfrisch aus diesem Jahr. Geschrieben wurden sie von Jenny Colgan. Diese widmet sich nach einem Studium an der Universität Edinburgh und einer anschließenden Tätigkeit im Gesundheitswesen, seit den 2000er-Jahren verstärkt dem Schreiben.

„Die kleine Bäckerei am Strandweg“

Der große Durchbruch gelang ihr in Deutschland mit dem Buch „Die kleine Bäckerei am Strandweg“, zu dem mittlerweile zwei Fortsetzungen erschienen sind. Das Buch hat alles, was eine romantische Sommerkomödie braucht: Herzschmerz und Sinnkrise wegen einer beendeten Beziehung, die Flucht aus der Stadt in einen möglichst abgelegenen Küstenort, zwei interessante neue Männer im Leben der Protagonistin, eine neue Lebensaufgabe, aber auch neue Schwierigkeiten, wie unkooperative Dorfbewohner und Gefühlschaos. Die Protagonistin Polly wirkt dennoch selbstbestimmt und nimmt ihr Schicksal selbst in die Hand.

Das alles beschreibt Colgan mit viel Gefühl (na klar, Emotionen sind wichtig in so einem Buch!) und Humor. Ansonsten ist das Buch sehr essenslastig – den Titel darf man also auch in dieser Hinsicht ernst nehmen. In vielen Details werden Zubereitung, Geruch und Aussehen von diversen Lebensmitteln und zubereiteten Backwaren beschrieben. Wer wie ich bei solchen Schilderungen selbst Appetit bekommt, sollte beim Lesen etwas zu Essen parat haben.

Die Handlung spielt übrigens in dem real existierenden Ort St. Michael’s Mount (im Buch Mount Polbearne genannt) in Cornwall. Das ist eine Gezeiteninsel, deren einzige Verbindungsbrücke mit dem Festland bei Flut unter Wasser steht. Abgeschiedener geht’s als kaum. Und beim Lesen bekommt man ziemliche Lust, dort auch mal hinzureisen.

Hinten sind Rezepte drin

Wer bei dem vielen Essen und Backen im Buch Lust bekommt, selbst aktiv zu werden, für den gibt es auf den letzten Seiten des Buches noch ein paar Rezepte der Autorin. Als ich das entdeckt habe, musste ich erstmal lachen und an das Buch von Katrin Bauerfeind mit dem (eher ironisch gemeinten) Titel „Und hinten sind Rezepte drin“ denken. Dann fand ich das aber eine schöne Idee, weil es dem Buch eine persönliche Note gibt. Die Rezepte sind jeweils in Textform geschrieben. Ich habe in den letzten beiden Tagen tatsächlich zwei Rezepte aus dem Buch ausprobiert – Shortbread und Weißbrot – und bin mit den Resultaten zufrieden. Fotos von den Ergebnissen gibt’s am Ende der Rezension.

„Die kleine Sommerküche am Meer“

Das zweite hier vorzustellende Buch „Die kleine Sommerküche am Meer“ ähnelt dem ersten im Grundmuster ziemlich stark. Das fällt schon beim Titel auf. Vielleicht konnte es mich deshalb auch nicht ganz so überzeugen – die Motive und Handlungsstränge waren mir schon zu vertraut. Auch hier reist eine Frau (dieses Mal aber gezwungenermaßen) auf eine Insel, dieses Mal ein fiktiver Ort, irgendwo auf Höhe der Shetland-Inseln, ca. 300 km nördlich vom schottischen Festland. Hier muss ich meine Aussage von vorhin also noch einmal revidieren: Abgeschiedener geht’s doch noch.

London kommt nicht gut weg

Was mich an dem Buch etwas störte, war das permanente Großstadtbashing. Ok, hier reist die Protagonistin Flora von London ins Nirgendwo, im ersten Buch war es nur von der nächstgrößeren Stadt aufs Land. Aber London wird im Buch als wahrer Moloch beschrieben, das fand ich dann doch etwas zu einseitig. Ansonsten spielt auch in diesem Buch Essen eine große Rolle. Außerdem gibt es wieder zwei Männer im Leben von Flora. Romantik und Herzschmerz erwarten den Leser also auch hier. Zudem wird die Schönheit der Insel in vielen Details beschrieben und macht Lust dorthin zu reisen. Ich öffnete also Google Maps, wo mir aber leider bestätigt wurde, dass die Shetland-Inseln leider nicht ums Eck liegen.

Colgan bezeichnet das Buch als eins ihrer persönlichsten, da sie selbst vor kurzem wieder aus London (und Frankreich) in ihre schottische Heimat gezogen ist. Vielleicht sind die sehr negativen London-Schilderungen also eine Art Abrechnung mit der Stadt, die es ins Buch geschafft haben.

Fazit

Beide Bücher haben mir gefallen, wobei mich das erste mehr überzeugen konnte. Für mich wirkte es bei allem Kitsch noch etwas authentischer. Auch wenn eine gewisse Alles-ist-möglich- und Lebe deinen Traum-Mentalität zu solchen Büchern eben auch dazugehört.

Trotz aller Romantik sind die Bücher aber nicht flach und anspruchslos geschrieben. Die Charaktere werden lebendig geschildert und man fühlt als Leser mit ihnen mit. Zudem werden die beiden Protagonistinnen als selbstständige Frauen gezeichnet, die vor allem auch zu sich selbst finden.

Alles in allem bekommt man, was man erwartet: Eine romantische Sommerkomödie, bei der man Abschalten kann und die Lust auf das Reisen an entlegene Winkel und auf ursprüngliche Natur macht.

Und: Auch wegen der Rezepte haben sich die Bücher für mich gelohnt. Hier sind die Resultate meines Ausprobierens:

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Die kleine Bäckerei am Strandweg| 496 S. | ISBN: 978-3-8333-1053-9

Die kleine Sommerküche am Meer | 448 S. | ISBN: 978-3-492-31323-0

Vielen Dank an den Piper Verlag für die Rezensionsexemplare.

 

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