Sonstiges

Tsundoku oder: Wie ich lese

In Buchbloggerforen schwirrt der Begriff des SUBs herum. Als Neuling unter den Buchbloggern musste ich erst einmal in Erfahrung bringen, was das ist. Eine kurze Recherche brachte die Antwort: Damit ist der heimische Stapel ungelesener Bücher gemeint. Und der wächst und wächst bei Bibliophilen schnell zu einer schier unbewältigbaren Größe an. Auf Twitter werden daher SUB-Lesewochen ausgerufen und die mitgeteilte Freude in den sozialen Medien ist groß, wenn dieser Stapel zeitweise schrumpft – meist aber nur kurzzeitig, um dann bald durch neue Büchern wieder anzuwachsen.

Vor kurzem bin ich darauf gestoßen, dass es in Japan dafür sogar einen eigenen Begriff gibt: Tsundoku. Damit ist die Anhäufung von Büchern gemeint, die sich dann zu Hause immer weiter stapeln, ohne, dass man sie liest. Faszinierend, dass die japanische Sprache ein eigenes Wort für diesen Umstand kennt. Daraus lässt sich folgern, dass Japaner Literatur mögen. Allerdings nicht, dass sie viel lesen – denn sonst gäbe es diesen Begriff wohl nicht, der die Ansammlung der ungelesenen Bücher beschreibt. Bereits andere Buchblogger und -bloggerinnen haben sich dem Thema Tsundoku gewidmet. So habe ich bei Tintenhain sowie bei Buzzaldrins Bücher Beiträge dazu entdeckt.

Wenn ich Beiträge über die SUBs lese, bei denen es oft um mehr als 100 ungelesene Bücher geht, dann fühle ich bei mir eher ein Grummeln in der Magengegend – einen so großen Bücherstapel mit ungelesenen Büchern habe ich nicht zu Haus, denn er würde mich überfordern bzw. mich ziemlich unter Druck setzen. Ich würde immer wieder mit schlechtem Gewissen dorthin schielen und könnte keine neuen Bücher erwerben, ohne daran zu denken. Aber zum Glück wächst dieser Stapel bei mir nie in unbekannte Höhen, meist besteht er aus zehn bis zwanzig Büchern, zeitweise auch mal mehr.

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Einige meiner Bücher – nach radikalem Aussortieren

Natürlich hätte auch mein SUB über die Jahre Zeit gehabt zu wachsen und enorme Ausmaße anzunehmen, jedoch sortiere ich Bücher, die sich zu lange dort tummeln recht konsequent aus. Wenn ich ein Buch nach zwei Jahren nicht gelesen habe, dann gibt es Gründe dafür. Zeit ist nur einer davon. Denn schließlich habe ich mich dann doch immer wieder gegen das betreffende Buch und für ein anderes entschieden.

Die letzte radikale Verminderung meiner Bücher fand bei meinem Umzug vor ca. einem halben Jahr statt. Dabei habe ich zwei Bücherkisten aussortiert, manche davon hatte ich gelesen, andere nicht. Den wohl größten Teil der Bücher hatte ich wohl allerdings angelesen und dann wieder beiseitegelegt. Ich gehöre nicht zu denen, die sich durch Bücher quälen. Das ist nicht auf den Anspruch des Buches bezogen, sondern eher auf den Inhalt, Schreibstil und den Gesamteindruck. Wenn ich keinen Zugang zum Buch bzw. den Hauptfiguren finde, dann beende ich das Lesen. Es gibt zu viele gute Bücher, die noch darauf warten, gelesen zu werden, als dass ich an Büchern hängenbleibe, die mir nicht gefallen und meine Leselust bremsen.

Aus diesem Grund finden sich auf meinem Blog überwiegend positive Rezensionen. Natürlich lese ich auch Bücher, die ich nur semi-gut finde, aber zum großen Teil kann ich auch diesen viele positive Aspekte abgewinnen, die mich zum Weiterlesen bringen.

Mit den aussortierten Büchern verfahre ich dann folgendermaßen: Manche gebe ich an andere Personen weiter, von denen ich denke, dass sie ihnen gefallen könnten. Andere wandern in öffentliche Bücherschränke oder Bücherkisten, wo sie kostenlos mitgenommen werden können. Manche Bücher habe ich auch schon auf Online-Plattformen im Internet verkauft. Das fühlt sich befreiend an und ist verbunden mit dem Gedanken, dass jemand anderes mehr Freude an den Büchern hat als ich.

4 Gedanken zu „Tsundoku oder: Wie ich lese“

  1. Hallo
    Ja, ich kann dir nachfühlen. Ich bin auch jemand, der eher wenig SuBücher hat. Und eigentlich ist mein Ziel sogar ubter 5 zu kommen, um endlich wieder spontan einkaufen zu können. So wie früher eben. 🙂
    Liebe Grpsse, Tabea von Buchbunt

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  2. Guten morgen,
    oh ja so geht es mir auch. Ich bekomme Magengrummeln, wenn mein SuB so gegen 100 geht. Auch ich habe letztens erst meinen SuB aussortiert, wo ich genau weiß, diese werde ich nicht mehr lesen. Mal sehen, im Augenbick liegen sie im Karton und warten eigentlich auf ein neues Zuhause. mein Gedanke ist auch, diese in öffentlichen Bücherschränken zu bringen, aber der ist mitten in der Stadt, wo ich selten hinkomme :-(. Naja, im Augenblick liegen diese gut :-).
    Beste Grüße
    Anja vom kleinen Bücherzimmer

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    1. Hey, ich habe momentan bei mir auch noch zwei aussortierte Bücherkisten vom Umzug stehen. Regelmäßig gebe ich Besucher*innen dann auch ausgewählte Exemplare daraus mit, von denen ich denke, dass sie zur jeweiligen Person passen könnten. Dadurch sind jetzt schon einige verschwunden und mit dem Rest (sind halt zwei recht schwere Kisten) werde ich dann wohl eher peu a peu verfahren…

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